Teleskop Ratgeber und Guide

Wenn man ein neues Teleskop kaufen möchte, gibt es viele Dinge zu beachten. Die wichtigsten sollen im Folgenden vorgestellt und erläutert werden.

 

Welchen Objektivdurchmesser wähle ich?

Der Durchmesser des Objektivs bestimmt primär über die optische Leistung eines Teleskops. Er definiert, wieviel Licht in die Optik der Vorrichtung einfallen kann. Je größer die Öffnung bzw. die lichtsammelnde Fläche der Linse oder des Spiegels ausfällt, desto lichtschwächere Objekte am Himmel können beobachtet werden. Der Objektivdurchmesser bestimmt ebenfalls die maximale sinnvolle Vergrößerung. Als Faustregel kann man allgemein für optische Einrichtungen die Öffnungsbreite in mm als weiche Grenze für die maximale Vergrößerung annehmen. Bei einem Objektivdurchmesser von 100mm kann man also sinnvoll 100x vergrößern. In der Astronomie wird für Teleskope häufig jedoch von der Doppelregel für die nützliche Vergrößerung Gebrauch gemacht. Demnach kann die maximale Vergrößerung doppelt so groß sein wie die Öffnung in mm. In unserem Beispiel mit einem 100mm Objektiv, kann also im besten Fall eine 200fache Vergrößerung genutzt werden. Bei einer höheren Vergrößerung können dem Bild keine besseren Informationen entnommen werden. Es kommt vermehrt zu Artefaktbildung, sodass das Bild sogar schlechter wird. Daher nennt man Vergrößerungen jenseits der maximalen Vergrößerung auch „tote Vergrößerung“.

 

Linse oder Spiegel – Refraktor oder Reflektor?

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Foto: pixabay

Linsenteleskope werden Refraktoren, Spiegelteleskope Reflektoren, genannt. Die beiden Bauarten unterscheiden sich grundlegend in ihrer Funktionsweise. Bei den Refraktoren wird das Licht von Linsen gebrochen und dadurch gesammelt. Es geht keine Information durch Energieverlust bei Reflexion an Spiegeloberflächen verloren und es befinden sich keine Bauteile wie beispielsweise Spiegel direkt im Strahlengang. Dadurch wird das eintreffende Licht maximal verwertet und das Bild im Hinblick auf Schärfe und Kontrast optimiert. Refraktoren werden überwiegend für die Beobachtung von Planeten und des Mondes benutzt. Ein Nachteil von ihnen sind die Farbfehler, welche durch die unterschiedlich starke Brechung des Lichts verschiedener Farben bzw. Wellenlängen entsteht. Ursache für dieses Phänomen ist die Dispersion von Licht an den Übergängen von optischen Materialen. Die Farbfehler äußern sich als Farbsäume im Bild und sind besonders stark um helle Objekte sichtbar. Man kann sie mit achromatischen oder apochromatischen Linsen minimieren. Eine einzelne Linse unterliegt der chromatischen Aberration. Achromaten nutzen genau diesen Effekt aus und mindern ihn beträchtlich, indem eine zweite Linse in unmittelbarem Abstand hinter bzw. vor der ersten Linse angebracht wird. Mit einer dritten Korrekturlinse bei Apochromaten lassen sich Farbsäume und Unschärfen fast gänzlich neutralisieren.

Spiegelteleskope hingegen bieten für den gleichen Preis mehr lichtsammelnde Fläche. Dadurch können lichtschwächere Objekte betrachtet werden. Sie werden deshalb häufig von Anfängern gekauft und für Deep Sky Beobachtungen eingesetzt. Sie erzeugen sie keine Farbfehler, weil Licht keine Mediengrenzen durchlaufen muss und daher auch nirgends gebrochen wird. Reflektoren sind deswegen farbtreu.

 

Wie groß soll die Brennweite sein?

Die Brennweite von Teleskopen entscheidet wie bei jeder anderen optischen Vorrichtung über die Schärfe der Abbildung. Eine große Brennweite erlaubt im Allgemeinen höhere Vergrößerungen. Sie geht jedoch konstruktionsbedingt einher mit einem langen Tubus. Dewegen sind Teleskop mit großen Brennweiten zumeist sperriger und auch schwerer. Das macht sie nicht unbedingt zum besten Begleiter zum spontanen Mitnehmen.

 

Was sagt das Öffnungsverhältnis aus?

Das Öffnungsverhältnis beschreibt die Relation von Objektivdurchmesser zu Brennweite. Man liest häufig die Bezeichnungen D/F oder F/X. Im ersten Fall steht die erste Zahl D dabei für den Durchmesser der Öffnung, die zweite Zahl F für die Brennweite. Zur Berechnung des Verhältnisses wird der Quotient gebildet. Wenn man also die Öffnung vergrößert, wird das Öffnungsverhältnis größer. Wenn man sie verkleinert, so wird das Öffnungsverhältnis kleiner. Die Änderung der Brennweite wirkt entsprechend entgegengesetzt. Eine Vergrößerung der Brennweite bewirkt eine Minderung des Öffnungsverhältnisses. Die Minderung der Brennweite vergrößert das Verhältnis. Im zweiten Fall F/X steht die zweite Zahl X für das ganzahlige Vielfache der Brennweite in Bezug auf den Öffnungsdurchmesser. Bei einem Teleskop mit der Bezeichung F/10 ist die Brennweite demnach 10 mal so groß wie der Objektivdurchmesser.

Ein großes Öffnungsverhältnis garantiert bei geringen bis mittleren Vergrößerungen ein ausreichend helles Bild. Deshalb werden entsprechende Vorrichtungen für die Beobachtung von lichtschwachen Objekten und des Deep Sky benutzt. Zum Beispiel könnte man dafür ein Gerät mit dem Öffnungsverhältnis F/5 wählen. Die Brennweite ist laut Formel fünf mal so groß wie der Objektivdurchmesser. Für Planetenbeobachtung kommen diese Fernrohre aber eher nicht in Frage. Hierfür benutzt man kleine Öffnungsverhältnisse wie zum Beispiel F/15.

 

Für welche Montierung entscheide ich mich?

Die Montierung spielt eine äußert bedeutende Rolle bei der Himmelsbeobachtung. Nicht nur die optischen Eigentschaften des Teleskops limitieren die maximale Vergrößerung, sondern auch der Unterbau des Geräts. Besonders bei hohen Vergrößerungen werden minimale Wackler, Zittern und Vibrationen potenziert und die Beobachtung eines Objekts deshalb eventuell unmöglich. Ein gutes Stativ ist schwer, stabil und dämpft Schwingungen.

Beim Kauf sollte zuerst die Frage beantwortet werden, ob man ein transportables Stativ benötigt oder das Teleskop fest zu Hause stehen soll. Weiterhin unterscheiden sich die Bauarten. Bei parallaktischen Montierungen wird nur an einer einzigen Achse verstellt. Entlang dieser schrägen Rektaszensionsachse kann man die Erdrotation komfortabel ausgleichen und die scheinbare Bewegung der Himmelskörper unterbinden. Parallaktische Stative sind vergleichsweise teuer, sodass sie für Neueinsteiger in der Regel eher nicht in Frage kommen. Die kostengünstige Alternative sind die azimutalen Montierungen. Sie bestehen aus zwei Achsen, einer vertikalen Hauptachse und einer horizontalen Nebenachse. Ihrer Bedienung kann sich für den Laien als etwas komplizierter erweisen, da die zwei Achsen kontinuierlich mit variabler Geschwindigkeit verstellt werden müssen.